Der etwas andere Wüstenausflug führt uns nach einer Stunde Autofahrt ins Al Madam Ghost Village im Emirat Sharjah. Dieses verlassene Dorf wird nach und nach von der Wüste verschluckt wird.

Al Madam Ghost Village: Das geheimnisvolle Geisterdorf in der Wüste
Nur eine kurze Fahrt von Dubai entfernt, mitten in der Wüste des Emirats Sharjah, liegt ein Ort, der seit Jahren für Rätsel und Gänsehaut sorgt: das Al Madam Ghost Village. Viele Geschichten und Gerüchte ranken sich um diese verlassene Siedlung, die nicht weit von der kleinen Stadt Al Madam entfernt liegt.
Auf den ersten Blick wirkt das Dorf unscheinbar: Es besteht lediglich aus zwei Reihen einfacher Häuser und einer kleinen Moschee. Doch was diesen Ort so besonders macht, ist sein Zustand. Die Gebäude stehen verlassen in der Wüste, Türen und Fenster sind offen, und Sanddünen haben sich ihren Weg ins Innere gebahnt. Die Natur scheint sich das Dorf Stück für Stück zurückzuholen. Besucher, die das Al Madam Ghost Village betreten, spüren sofort eine besondere Atmosphäre – still, fast unheimlich und gleichzeitig faszinierend.
Doch warum wurde dieses Dorf überhaupt verlassen? Warum stehen die Häuser leer und verfallen mitten in der Wüste? Genau diese Fragen haben dazu geführt, dass sich zahlreiche Mythen und Legenden rund um das Al Madam Ghost Village entwickelt haben.


Geistergeschichten und Legenden rund um das Al Madam Ghost Village
Das Al Madam Ghost Village wird nicht umsonst auch als „Lost City“ oder Geisterdorf bezeichnet. In der Region kursieren seit vielen Jahren Geschichten über übernatürliche Kräfte, die angeblich für das plötzliche Verlassen der Siedlung verantwortlich sind.
Ein zentraler Bestandteil dieser Erzählungen sind die sogenannten Djinn. Diese Wesen sind tief im arabischen Volksglauben verankert und werden oft mit unsichtbaren Kräften und unerklärlichen Ereignissen in Verbindung gebracht. Anwohner berichten, dass genau solche Geister die Bewohner des Dorfes vertrieben haben sollen.
Besonders häufig wird die Figur der Umm Al Duwais erwähnt. In der emiratischen Folklore gilt sie als eine gefährliche Erscheinung, die mit Katzenaugen, einem Eselsfuß und messerscharfen Händen beschrieben wird. Der Legende nach lockt sie Menschen an, nur um ihnen anschließend zu schaden. Solche Geschichten haben das Al Madam Ghost Village über die Jahre zu einem beliebten Ziel für Abenteurer und Mystery-Fans gemacht.
Auch heute noch berichten Besucher von einer seltsamen Stimmung vor Ort. Der Wind, der durch die verlassenen Häuser zieht, und die Stille der Wüste verstärken das Gefühl, an einem Ort zu sein, der nicht ganz „normal“ ist.

Die wahre Geschichte hinter dem Al Madam Ghost Village
So spannend die Legenden auch sind – die Realität hinter dem Al Madam Ghost Village ist deutlich weniger mystisch, dafür aber umso interessanter. Im Jahr 2018 begann die Sharjah Art Foundation damit, die Geschichte dieses Ortes genauer zu untersuchen. Durch Interviews mit ehemaligen Bewohnern und Einheimischen konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden.
Das Dorf wurde ursprünglich in den 1960er- oder 1970er-Jahren errichtet und war Teil eines größeren staatlichen Programms. Nachdem in den Vereinigten Arabischen Emiraten Öl entdeckt worden war, begann die Regierung, das Land zu modernisieren. Ziel war es, den damals noch nomadisch lebenden Beduinen ein sesshaftes Leben zu ermöglichen.
Im Rahmen dieses Programms entstanden sogenannte „Sha’bi Housing“-Siedlungen – einfache Wohnhäuser, die speziell für Einheimische gebaut wurden. Auch das Al Madam Ghost Village gehörte zu diesen Projekten. Viele Beduinen entschieden sich bewusst für Wohnorte in der Nähe der Wüste, um ihrer traditionellen Lebensweise zumindest teilweise treu zu bleiben.

Warum das Al Madam Ghost Village verlassen wurde
Entgegen aller Geistergeschichten liegt der wahre Grund für die Aufgabe des Al Madam Ghost Village in ganz praktischen Problemen. Die Siedlung wurde zwar schnell errichtet, doch die Infrastruktur konnte mit dem Bau nicht Schritt halten.
Viele der Häuser verfügten zunächst über keinen zuverlässigen Anschluss an Wasser und Strom. Hinzu kam die Lage mitten in der Wüste: Starker Wind sorgte immer wieder dafür, dass Sand in die Gebäude eindrang. Türen, Fenster und sogar ganze Räume wurden nach und nach von Dünen verschluckt. Das Leben unter diesen Bedingungen war für die Bewohner auf Dauer kaum möglich.
Schließlich entschieden sich viele Familien, das Dorf zu verlassen und in besser ausgestattete Gebiete umzuziehen. Zurück blieb eine verlassene Siedlung, die heute langsam von der Wüste zurückerobert wird.
Das Al Madam Ghost Village ist somit weniger ein Ort des Übernatürlichen als vielmehr ein faszinierendes Beispiel für die rasante Entwicklung der Vereinigten Arabischen Emirate. Es zeigt eindrucksvoll, wie ambitionierte Projekte manchmal an praktischen Herausforderungen scheitern können – und genau das macht diesen Ort heute so einzigartig und sehenswert.

Das Ghost Village kann bei meinen privaten Wüstensafaris besucht werden oder in die Stadtrundfahrt mit integriert werden: https://dubaiprivat.com/contact/
Aktuelle Informationen und Tipps für die Umgebung findet ihr hier: https://www.visitsharjah.com/activities/adventure/al-madam-buried-village/

Alle privaten Touren können nach Ihren Interessen und Bedürfnissen maßgeschneidert werden.